Dunkle Fantasien und Schreie in der Nacht 4

"Klappentext"

Was mich treibt und die Suche nach mir und meinen Wünschen

 

Kapitel 4: Was mich treibt

Geneigter Leser, was soll ich sagen. Weißt du, wenn man so ein Angebot bekommt, eine solche Möglichkeit, und eine ähnliche Veranlagung, wie ich sie habe, hat, springt man dann nicht sofort auf diesen Zug auf? In der Hoffnung all das was man so träumt, worum die Fantasien so schweifen nicht doch in der Realität erleben zu können? Greift man die Gelegenheit nicht einfach beim Schopfe, um zu machen was man nie für möglich gehalten hätte? Und das führt zu der folgenden Frage: Was macht mich aus? Als Sadisten. Bin ich pathologisch?

Da sind diese ganzen Träume. Die man versucht geheim zu halten. Die im ständigen Widerspruch zur eigenen Moral, eigenen Ethik stehen. Wie soll man dann damit umgehen, wenn plötzlich die Möglichkeit besteht sie doch auszuleben. Jemand der einen anbettelt, der einen anfleht und dann die Macht auszukosten dem nicht nachzugeben. Sadismus, zumindest der meine, hat viel mit Macht zu tun. Und auch mit Machtmissbrauch. Daher sicher auch eine Vorliebe für extrem enge Fesselungen. Das Opfer, das vollkommen hilflos ausgeliefert ist, sich nicht mal rühren kann, absolut nichts dagegen tun kann was ich nun mit ihm machen werde, egal wie sehr sie mich anfleht, das ist meine Triebfeder. Vieles, das ich praktiziere, ist nicht etwas, das ich besonders gerne mag. Wichtig ist, dass das Opfer das nicht mag. Und wenn sie mir sagt, dies oder jenes ist Tabu, dann entwickle ich ein besonderes Interesse dafür.

Aber natürlich spiele ich im realen innerhalb der Grenzen. Das sind Tabubrüche oder ähnliches kein Thema. Aber irgendwie lässt mich das immer als Dienstleister zurück, der sich nur von Moment zu Moment zu hangeln scheint. Das aber was Bianca nun womöglich will, ist anders. Ganz anders. Vielleicht war es wirklich der Glückstreffer. Die Frage, die ich nicht dabei greifen konnte, war was wollte Bianca wirklich. Wie weit wollte sie das ich gehen sollte. Nehmen wir das ganze Spektrum. Auf der einen Seite die relativ normale SM Session: Ledermanschetten, ein Flogger, danach etwas Sex. Auf der anderen Seite die reale Hexenfolter, so wie sie wirklich ausgeführt wurde: Ausgerenkte Glieder auf der Streckbank, zermahlene Knochen in den Daumenschrauben und ähnliches. Ich meine, ohne Zweifel, das kam nicht in Frage.  Aber wo auf diesem Spektrum sollte man das ansiedeln. Wie weit konnte und sollte ich tatsächlich gehen. Würde auch ich dabei das bekommen was ich wollte, oder war es am Ende dann doch nur ein Spiel, bei dem ich mich darauf beschränkte ihre Wünsche zu erfüllen, ohne die meinen erfüllt zu bekommen.

„Pass auf, ich möchte dass du mir einfach eine Szene, die du im Kopf hast, möglichst Detailliert beschreibst.“ „Hm, na gut, also, ich liege auf der Streckbank…“ „Halt, stop. Nicht jetzt hier sondern schriftlich. Das soll keine pornografische Geschichte oder sowas werden sondern einfach wirklich eine 1:1 Beschreibung deiner Fantasie. Und versuch bitte nichts wegzulassen. Jedes Detail, das für dich zählt, bitte ich dich aufzunehmen. Ist das OK für dich?“

„Hm. Und das mache ich dann weil?“ fragte sie. „Das machst du damit ich einfach wirklich einschätzen kann was da genau in der Vorgeht, und wie ich mich darin sehen würde.“ „Und du machst dann das gleiche?“ Ich musste grinsen. „Werden wir dann sehen. Aber jetzt bist du erstmal dran.“ „Also gut, aber dazu brauche ich sicher etwas Zeit.“ „Kein Problem, wenn wir etwas haben dann ist es Zeit.“

Zwei Wochen später bekam ich eine E-Mail. Ich war mitten in einer Verhandlung als sie eintraf. Und heimlich, ohne dass es jemand merkte versuchte ich zumindest einen Blick auf den Inhalt zu erhaschen. Sicher der ungelegenste Zeitpunkt. Ich zog mich in einer Verhandlungspause auf die Toiletten zurück um die Mail zumindest kurz zu überfliegen. Das zeigt dir, geneigter Leser, wie sehr ich von dem ganzen mittlerweile in den Bann gezogen war. Was erwartete ich zu lesen. Nichts anderes als meine eigenen Träume, meine eigenen Fantasien und Wünsche. Und vielleicht würde das nun endlich ausreichend Licht ins Dunkel bringen, wenn es wirklich einmal konkret um die Darstellung ihrer Träume ging.

Aber ich habe dich nun lang genug auf die Folter gespannt: Hier die Mail von Bianca. [Ich liebe Cliffhänger]

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Inhalt/Idee

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Erotik/BDSM

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Rechtschreibung/Form

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Kommentar(e)

Also die Leser werden auf jeden Fall auf die Folter gespannt. Ich bin sehr auf die Mail und die hoffentlich daraus resultierenden Handlungen gespannt. 

LG Ornella 

Mir gefällt das sehr, dass du in dieser Geschichte deine Neigung so differenziert reflektierst. Denn es ist ja wirklich ein Dilemma, wenn man eigentlich Dinge gegen den Willen einer anderen Person tun möchte, aber sich trotz allem eine einvernehmliche Beziehung wünscht. Ich kenne dieses Dilemma durchaus aus der anderen Perspektive, wenn es auch sicher nicht so weit geht, wie Bianca nun möglicherweise zu gehen bereit ist.

Gerwalt hat mal gesagt, die ideale SM-Beziehung seien Sadist und Vanilla. (Weil alles andere wieder mehr oder weniger auf die von dir erwähnte Dienstleistung hinausläuft.) Und es stimmt ja, dass nur die uneingeschränkte Willkürherrschaft den Sadismus wirklich befriedigt. Aber wie soll das funktionieren, ohne straffällig zu werden? Du balancierst in dieser Geschichte nun genau "on the edge", es geht darum auszuloten, wie nah du deiner Sehnsucht kommen kannst, ohne in den Abgrund zu stürzen. Das macht diese Geschichte so reizvoll.

Die Sache mit der 1:1-Szenerie hat mich übrigens an eine Übung aus der Systemischen Sexualtherapie nach Ulrich Clement erinnert: das Ideale Sexuelle Szenario (ISS). Allerdings durchbrichst du die Regeln. In der Therapie schreiben beide gleichzeitig ihr ideales Szenario auf, bringen es in einem verschlossenen Umschlag in die Therapie mit, und dann wird verhandelt, ob die Umschläge geöffnet werden und in welcher Reihenfolge. :-)

Ich bin schon sehr neugierig darauf zu erfahren, was Bianca geschrieben hat.

Liebe Grüße

Campanula

Irgendwann, wann auch immer, kritisierte ich diese fehlende Perspektive der Figuren. Diese ist hier nun aufgearbeitet worden, was diese Geschichte bereichern wird. Denn durch diese Innenansicht werden metakonsensuelle Praktiken belebt und aus den Figuren heraus gerechtfertigt. Für diese Art der Texte ist das essentiell. Ich hoffe, dass diese Ansichten auch später, wenn es zu Handlungen kommt, beibehalten werden.

Satzbaukritik: In dieser Passage fallen die Kommafehler leider sehr stark auf. Ebenso fehlende Fragezeichen bei Sätzen mit wie und was. Der Satzbau wirkt unstet auf mich, was bei der Innenansicht hilfreich ist, jedoch bei der Beschreibung irritiert.

Ich lasse mich gern überraschen, wie sich Text und Autor zugleich entwickeln.

Die bisherigen Teile erzeugen bei mir eine große Neugier, wie dieses Dilemma gelöst werden kann. Ich bin sehr froh, dass bereits der nächste Teil online ist, da ich nicht sehr geduldig bin. Und ich bin enorm gespannt, ob es eine Lösung gibt.