Der Schwiegermuttertraum - Epilog

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Epilog - Das andere Ende des Kreises

 

Was kann es noch zu berichten geben? Eigentlich müsste ich der glücklichste Mann auf der Welt sein. Ich bin mit meiner Traumfrau zusammen, wir teilen die gleichen sexuellen Interessen. Herz was begehrst du mehr? Ich meine, wer kriegt schon SMS’ von seiner Freundin, in denen steht, dass sie an der Uni aufgehalten würde, ich aber ihre beste Freundin ja schon mal fesseln und ordentlich durchficken könne?

Und wir lassen wirklich keine Kombination aus. Lisa beherrscht Kyra und mich, ich Kyra und sie, Alexandra und ich über den Mädchen, Lisa und Alexandra über Kyra und mir; zu Kyras Geburtstag lud Alexandra uns ein und wir schenkten Kyra ihren Traum einer absoluten Albtraumnacht mit strenger Auspeitschung, Elektrofolter, jeder Menge Diensten an uns und Orgasmusverbot bis zum Morgengrauen, dann aber gab es kein halten mehr für sie.

Der Verdacht, dass ich zwar mit verschiedenen Frauen, diese aber mit mir Vorlieb nehmen müssen, stimmt natürlich nicht. Nur gibt es nicht wirklich eine feste Person, die zu unserem Kreis gehört, aber natürlich gibt es für die Damen auch andere Kerle.  Was da bei Alexandra und Kyra abgeht, habe ich keinen Schimmer. Ich sag mal: Genügend. Aber auch Lisa darf sich natürlich neben mir, mit anderen Kerlen vergnügen. Unsere Art von Treue besteht darin, dass wir es uns nicht verheimlichen und meistens auch gemeinsam dabei unterwegs sind. Wir switchen also nicht nur, sondern swingen auch fröhlich drauf los.

Eifersucht? Hm, ich muss ehrlich zugeben, dass, was sich bei Kyra (als wir zusammen auf der Swingerparty waren) angedeutet hat, findet bei Lisa seine Fortsetzung. Ich finde es zwar ein bisschen schizophren, aber es ist so: Wenn ich, als Dom, Lisa an einen anderen Mann weitergebe, so komme ich damit hervorragend klar, auch wenn sie dabei in der Regel viel heftiger gefickt und allgemein benutzt wird. Aber ich bin halt der Bestimmer. Ich habe die Situation zugelassen. Ich könnte sie beenden und aus dieser Position heraus, kann ich Lisa jeden Spaß, den sie dabei hat, gönnen und bin absolut nicht eifersüchtig. Wenn sie allerdings der Top ist und sich so um einen anderen Mann kümmert, das zwickt schon etwas im Bauch. Seit dem wir darüber gesprochen haben, kann ich auch schon viel besser damit umgehen...- Ups, das war jetzt echt gerade ein echter Sozialpädagogen-Satz, sorry. –

 

Das ist es natürlich nicht, was es noch zu berichten gibt, aber da ich nun eh schon aus der Chronologie der Geschichte ausgestiegen bin, gestattet mir vielleicht - bevor ich den Kreis dieser Geschichte schließe - noch ein paar andere Dinge zu erzählen, die sich aus dieser Geschichte ergaben:

Dabei beginne ich am besten bei Amelie und den Ereignissen in Boston, denn was dort passierte, wurde im Streit mit meinen Eltern ja nicht wirklich klar.

Amelie muss nach ihrer Rückkehr in die USA nicht viel Zeit verloren haben, um sich ihren Bob zu schnappen. Der war allerdings kein gleichaltriger Bekannter, wie zu vermuten gewesen wäre, sondern ihr Mathe- und Naturwissenschaftslehrer. Mit ihm hat sie wohl ziemlich wortgetreu die Lehrer-Schülerin-Fantasie ausgelebt, von der sie mir erzählte. Handschellen und Rohrstock waren wohl reichlich zum Einsatz gekommen und auch sonst hatte ihre SM-Nummer nichts vermissen lassen.

Was den beiden zum Verhängnis wurde, war der seit dem 11.9.2001 grassierende Überwachungswahn in den USA, der gerade in Boston durch den Anschlag auf den dortigen Marathon noch einmal einen neuen Schub bekommen hatte.

Im Zuge dessen hatte auch die Academy-of-our-Lady fleißig Kameras installiert. Und hier kommt halt der schwierige Grad zwischen Überwachung der Sicherheit und genereller Bespitzelung zum tragen: Man kann mit dieser Technik eben nicht nur nach potentiellen Attentätern und Amokläufern Ausschau halten, sondern man kann natürlich auch Schüler und Lehrer hervorragend überwachen und als misstrauischer Arbeitgeber beobachten, ob fleißig genug gearbeitet wird und auch ja kein schuleigener Kugelschreiber in die falsche Tasche gesteckt wird, vor allem, wenn man seine Angestellten nicht darüber informiert, wo überall Kameras installiert wurden.

Lange Rede, kurzer Sinn: Amelie und ihr Bob liefen ins offene Messer. Es gab ein volles Video von ihrem Spielchen im Materialraum im Keller der Schule, so dass alles Leugnen zwecklos war. Um ihren Bob zu schützen, denn natürlich lastete man ihm erst einmal alle Schuld an dem Geschehen an, hatte Amelie keinen Zweifel daran gelassen, wie sehr sie sich die auf dem Video enthaltenen Aktionen gewünscht hatte. Im Zuge dieser Verteidigung war ihr der Satz “So habe ich immer Sex” herausgerutscht, womit sie sich natürlich ins Zentrum des Kreuzverhörs manövrierte, denn ihre Eltern und die Schulleitung wollten wissen, wie oft, sie so etwas schon veranstaltet hatte. Der Druck muss so immens gewesen sein, dass sie unseren Ausflug zu den Rieselfeldern schließlich beichtete.

Darauf hin muss das Leben für Amelie so richtig zur Hölle geworden sein. Sowohl Bob als auch Amelie mussten auf Druck der Schulleitung die Academy verlassen; letzteres war für Tante Lilliane natürlich eine Katastrophe. Vermutlich stand Amelie wirklich kurz vor der Einweisung ins Kloster, auf jeden Fall muss es so schlimm gewesen sein, dass Amelie es zwei Monate danach nicht mehr aushielt. Sie löste ihr Sparbuch mit fünftausend Dollar auf und verschwand in einer Nacht- und Nebelaktion.

Der Weg führte sie zunächst nach Kaliforniern. Keine Ahnung, was sie da wollte, denn sie landete nicht in Los Angeles oder San Francisco, sondern in der Hauptstadt Sacramento. Dort blieb sie aber nur ein paar Monate, denn sie lernte dort ihre große Liebe Dave kennen, ein Australier, der in Sacramento gerade sein Agrarwissenschaftsstudium abgeschlossen hatte. Die Idee, in Australien gemeinsam eine Ökofarm zu betreiben, wurde fallen gelassen, als Dave das Angebot bekam, Ranger in einem australischen Nationalpark in der Nähe von Brisbane zu werden (also was man in Australien so unter dem Begriff “in der Nähe von” versteht). Und wie immer die Australier das so handhaben, aber Amelie wurde als seine Assistentin oder Stellvertreterin angestellt.

Das Aufenthaltsrecht regelten die beiden, in dem sie noch in den USA einen Ausflug nach Las Vegas machten und dort in einer fünfzig Dollar Zeremonie heirateten. So leben die beiden heute am Rande eines kleinen Dorfes und unternehmen von dort aus Kontrollfahrten durch “ihren” Park und bieten Führungen für Touristen an. 

Sexuell teilt Dave Amelies Vorlieben scheinbar voll und ganz. In ihrer letzten E-Mail schrieb Amelie, dass ihr derzeitiges Lieblings-vor-Vorspiel darin besteht, dass ihr Mann sie nackt im Schlafzimmer fesselt; entweder im Stehen,  die Händen über dem Kopf an die Decke gefesselt, oder auf einem Stuhl sitzend. Dann bringt er eine zweieinhalb bis drei Meter lange Pythonschlange ins Zimmer, die bei den beiden wild unter dem Dach lebt. (Pythons sind Würgeschlangen und absolut ungiftig. Im Busch sind sie bei den nicht allzu hysterischen Bewohnern wohl ein gar nicht so ungern gesehener Hausgast, da ihre Anwesenheit vor Ratten und da draußen vor allem vor Opossums schützt, die, erst einmal im Haus, vergleichbaren nächtlichen Radau und Schaden anrichten, wie bei uns Marder oder Waschbären.) Dann schaltet ihr Mann die Klimaanlage auf eine relativ niedrige Temperatur herunter, so dass sich die Schlange - ein wechselwarmes Tier - bald auf die Suche nach einem warmen Flecken macht und da sind konstante 36,7 Grad Körpertemperatur wohl sehr verlockend.

Amelie schreibt, dass es ein Gefühl sei, wie der unausweichliche Griff des Todes, wenn die Schlange an ihr hinauf krieche und sich schließlich um Hals und/oder Oberkörper schlänge, wenn sie ihre Muskeln und ihren Atem spüre, und es verursache wohl immer einen geilen Adrinalinschub, wenn sie sich doch einmal rühre und die Schlange ihre Windungen nachzöge, um ihre Wärmespenderin festzuhalten. - Ich hab beim Lesen zumindest auch ein Rohr bekommen, als ich mir diese Szene vorstellte.

Falls, aufgrund des Mailkontakts, der Eindruck entstanden sein sollte, Amelie hätte nach ihrer Flucht Kontakt zu mir gesucht, ist das übrigens nicht ganz richtig. Die erste Person, bei der sie sich gleich aus Kalifornien meldete, war Oma.

Oma verlangte von Amelie nur, ihren Eltern sagen zu dürfen, dass es ihrer Tochter gut ginge, über alles andere schweigt sie sich - ganz nach Amelies Wünschen - beharrlich aus. Sie kennt als Einzige Amelies aktuelle Adresse. Diese wiederum hat sie in einem zugeklebten Umschlag hinterlegt, denn in ihrem Alter weiß man ja nie, wie sie sagt, und nur ich und eine weitere Person wissen, wo sie diesen Umschlag in ihrem Sekretär versteckt hat.

Der Kontakt zwischen mir und Amelie kam dadurch zu Stande, dass sie Oma bat, bei mir um Entschuldigung zu bitten, dass sie unser kleines Geheimnis verraten hat. Oma schlug ihr vor, dass sie das selber tun solle und so trudelte irgendwann die erste Mail von ihr ein und seit dem schreiben wir uns mehr oder minder regelmäßig.

Wegen ihres Geständnisses habe ich ihr übrigens geantwortet, dass sie sich da nichts vorzuwerfen hat. Was wir getan haben, haben wir beide getan, müßig darüber zu diskutieren, wer was wollte und wer was nicht. Wir hatten es getan! Somit müssen wir auch beide die Konsequenzen tragen und angesichts der Entwicklung bei mir, müsse ich ihr eher dankbar als böse sein.

Für Amelie hat sich im Großen und Ganzen auch alles zum Guten entwickelt, obwohl ich glaube, dass sie ihre Eltern - trotz allem vermisst. Wieso? Keine Ahnung. Es sind halt die Eltern. Unter die Vor-Vorspiel-E-Mail setzte sie in einem PS zumindest die Bitte: “Grüße meine Eltern” Natürlich sind es nur Buchstaben auf dem Bildschirm, aber ich glaube, dass sie die Bitte ernst mein und auf diesem Umweg, wieder so etwas wie Kontakt herstellen möchte.

Vielleicht ahnt sie, wie schwer gerade Tante Lilliane die Flucht ihrer Tochter getroffen hat.

An dieser Stelle wird es dann doch etwas tragisch, denn Tante Lilliane wird seit Amelies Verschwinden wohl mit Beruhigungsmitteln und Blockertabletten vor einer Einweisung in die Psychiatrie bewahrt. Es gipfelte darin, dass sie Oma am Telefon androhte, Onkel Gernot würde dafür sorgen, dass der Verfassungsschutz sie (also Oma) in Beugehaft nähme bis sie endlich Amelies Aufenthaltsort preisgäbe. Seit dem bemüht man sich um eine Therapie für sie, aber trotz aller Mittel, die sie einnimmt, ist sie wohl noch klar genug, dass ihr jeder Therapeut recht ist, dem sie ihr Leid klagen kann, was ihre Tochter ihr angetan hat. Hakt dieser dann aber nach, in wie weit auch sie für die Eskalation verantwortlich sein könnte, wird ihm augenblicklich jede Fachkompetenz abgesprochen und es muss ein Neuer her.

Also, als Kyra sich Tante Lilliane zur Brust nahm, fand ich es ja echt cool, aber so ein Schicksal hat sie dann doch irgendwie nicht verdient. Ich hoffe, man findet einen Weg, ihr zu helfen.

Ob Amelie über den Zustand ihrer Mutter bescheid weiß, weiß ich nicht. Das ist so eine blöde Zwickmühle. Einerseits finde ich es natürlich nicht okay, ihr das zu verheimlichen. Andererseits fände ich es auch blöd, sie damit unter Druck zu setzen, oder ihr Schuldgefühle einzupflanzen. Tante Lilliane hat zu allererst ein Problem mit sich selbst. Je eher sie das erkennt, je eher hat sie eine Chance, sich wieder mit ihrer Tochter zu versöhnen.

Mit meinen Eltern läuft es übrigens wieder rund. Nicht auszuschließen, dass auch hier meine Oma im Hintergrund Fäden zog.

(By the way: Was Amelie und ich getan haben, hat Oma erst erfahren, als Amelie verschwand. Als ich bei meinen Eltern abgehauen bin, hätte ich also ohne weiteres zu ihr gehen können. - Na ja, ich hätte ohne hin zu ihr gehen können, denn sie soll auf die Information über Amelie und mein Schäferstündchen gesagt haben, dass unsere Eltern, als wir noch Kinder waren, uns doch immer gesagt hätten, dass wir später ja einmal heiraten könnten, also sollten sie sich jetzt nicht beschweren, wenn wir sie - wenigstens teilweise - beim Wort nähmen.)

Möglich also, dass Oma, angesichts dieser Entwicklung, ihrer Tochter und ihrem Schwiegersohn mal ins Gewissen redete, ob sie mit ihrem Verhalten auch erreichen wollten, ihren einzigen Sohn zu verlieren. Ich traue es ihr zumindest zu, denn Mamas Anruf kam so zweieinhalb Wochen nach Amelies Verschwinden. Auf der anderen Seite würde es mich aber auch freuen, wenn meine Eltern ohne Omas Zutun, zu diesem Schluss kamen. Zumindest klingelte ein knappes viertel Jahr nach meinem Auszug unser Telefon und meine Mutter lud mich und “meine Freundin” zum Sonntagsessen ein.

Als wir ankamen hatte ich etwas Angst, die Sache könnte alles andere als eine Versöhnung werden, denn meine Mutter glotzte natürlich ziemlich betreten aus der Wäsche, als ich zu diesem Mittag nun wieder mit Lisa und nicht mit Kyra auftauchte. Das zwang ihr Gedanken über meinen sexuellen Lebenswandel auf, die sie sicher nicht haben wollte. Gesagt hatten wir zur Begrüßung außer “hallo” nämlich nichts, sie hat uns dann eine Weile sprachlos angeschaut und schließlich gesagt: “Ach, ist ja auch nicht so wichtig. Kommt doch rein. Das Essen ist gleich fertig. Ich hoffe, ihr seid hungrig.”

Beim Essen war dann aber wieder alles normal. Mein Vater, der Kyra ja noch nicht wirklich kennen gelernt hatte, strahlte, weil er seinen Schwiegervatertraum weiter träumen durfte und Mama war glücklich, dass sie mal wieder so richtig kochen durfte. - “Für zwei lohnt das ja kaum”, sagte sie.

Eine Versöhnung, im Sinne einer Aussprache, gab es übrigens nicht. Meine Eltern entschuldigten sich für nichts, aber sie gaben auch mir zu keiner Sekunde das Gefühl, dass sie derartiges von mir erwarteten. Was geschehen war, war geschehen und nun nahmen wir unsere Beziehung dort auf, wo sie war: Der Sohn war aus dem Elternhaus aus- und mit seiner Freundin zusammengezogen. Der Rest wurde unter den Teppich gekehrt.

Meine Eltern erkundigten sich, ob wir uns gut eingelebt hätten und ob die Wohnung uns gefiele, und Lisa lud sie ganz allgemein zu einem Gegenbesuch ein. Klar, haute meine Mutter auch wieder Peinlichkeiten raus, in dem sie Lisa fragte, ob sie es denn schon leid sei, hinter mir her zu räumen, oder ob ich mich ihr gegenüber in Punkto Ordnung besser betragen würde. Lisa parierte diese Situationen aber stets mit einem lockeren: “Das passt schon.” Und wenn wir uns dann glücklich und verliebt anlächelten, konnte auch die besorgteste Mama nur glücklich sein.

Beim Kaffee kamen meine Eltern dann ganz von sich aus, auf das Thema Geld. Sie erklärten mir, dass sie natürlich wollten, dass ich mein Studium beendete und sie mich selbstverständlich finanziell unterstützen würden. Sie erkundigten sich bei Lisa und mir, wie denn wohl derzeit der Bafög-Höchstsatz stünde, was wir allerdings beide nicht genau wussten. So kamen wir überein, dass ich mich diesbezüglich schlau machen sollte und sie mir dann diesen Betrag und natürlich das Kindergeld monatlich überweisen wollten.

Danach fragten sie sogar Lisa, ob ich denn irgendwelche Ausstände bezüglich Miete oder so bei ihr hätte und ich hörte meinen Eltern an, dass es ihnen erst vor einiger Zeit bewusst geworden war, dass ihr Sohn sich von seiner Freundin ja quasi aushalten lies und das war ihnen auf jeden Fall peinlich.

Aber auch hier winkte Lisa höflich ab. Anders wurde es, als Papa fragte, ob wir noch etwas bräuchten, wie eine Waschmaschine zum Beispiel. Es stünde ja noch eine bei uns im Keller, die nicht benutzt wurde. Ich winkte auch hier ab, schließlich hatten Lisa und ich eine Waschmaschine, als Mama jedoch hinzufügte, dass das eine Miele-Waschmaschine sei, bekam Lisa große Ohren und so landeten wir im Keller und Lisa ergoss sich in Lobeshymnen über diese Wunderwerke deutscher Wertarbeit und wir kamen über ein, dass wir - zumindest Lisa - keinen Waschtag länger ohne diese Maschine auskommen könne. - Inzwischen steht sie auch unten im Waschkeller und Lisa geht immer noch mit strahlendem Gesicht herunter, egal wie schwer der Waschkorb ist. (Und ich dachte immer, Frauen seien verrückt nach Schuhen... aber was soll’s)

Als wir an diesem Tag gingen, umfing mich eine merkwürdige Stimmung. Ich war zwar glücklich, dass sich das Verhältnis zu meinen Eltern wieder eingerenkt hatte, aber ich spürte auch ganz deutlich, dass sich etwas verändert hatte.

Das Haus meiner Eltern war nicht mehr meins, sondern das Haus in dem ich meine Kindheit verbracht hatte. Jede Ecke, jeder Winkel war vollgepackt mit Erinnerungen, aber nichts von alldem hatte mit meinem jetzigen Leben zu tun. Ich glaube, ich spürte zum ersten Mal so richtig, dass ich erwachsen geworden war. Als ich meinen Eltern den Haustürschlüssel, den ich ja immer noch hatte, geben wollte, winkten sie jedoch ab. Ich solle ihn behalten. So könne ich, wenn sie mal im Urlaub seien, wenigstens zum Blumengießen kommen.

Kyra ist bei meiner Mutter übrigens auch nicht mehr die persona non grata, die sie beim Kaffeeklatsch noch gewesen war. Und dieser Punkt der Geschichte, mal abgesehen von meinem Zusammenkommen mit Lisa, ist wirklich der Schönste für mich, über den ich sehr glücklich bin.

Kyra hatte einfach so viel für mich getan, mir so außergewöhnliche Momente geschenkt, dass ich es ihr - wie schon erwähnt - sicher nie würde vergelten können. Umso glücklicher bin ich, dass sie bei dieser Geschichte trotzdem nicht leer ausging, denn sie bekam eine Großmutter.

Keine Sorge, es kommt jetzt nicht die kitschige Geschichte, wie sie die Eltern ihrer leiblichen Mutter aufspürte und diese ihre bis dahin unbekannte Enkeltochter ins Herz schlossen. Nein, es kam wie ich es ja auch schon ein bisschen vorher gesagt hatte: Kyra griff meinen Vorschlag auf und schaute tatsächlich einmal bei meiner Oma vorbei und von da an wurden die beiden dicke Freundinnen.

Der besondere Punkt für meine Mutter war, dass Kyra dabei nicht nur auf jemanden aus war, der ihr Sahnebonbons kochte und Kuchen backte, sondern dass sie auch ganz selbstverständlich ein paar Aufgaben übernahm. Sie geht mit oder auch für Oma einkaufen, besorgt etwas aus der Apotheke oder fährt sie, sofern Alexandra ihr das Auto überlässt, zum Arzt oder Frisör. Sie ist somit zu einer guten Unterstützung geworden.

Aber natürlich darf bei den beiden der Spaß nie zu kurz kommen. Kyra scheint von dem brav bürgerlichen Idyll, dass auch meine Oma verströmt, magisch angezogen zu werden. So stieg sie zum Beispiel in Omas “Zockerrunde” ein. Den Titel habe ich einmal erfunden, denn meine Oma trifft sich alle drei bis vier Wochen mit vier Freundinnen zum Rommé spielen. Dabei geht es nicht um Reichtümer, aber - Originaltext meiner Oma: “So ganz ohne Nervenkitzel macht’s ja auch keinen Spaß.” So rechnen sie pro Minuspunkt einen viertel Cent.

Als Kyra im Herbst durch Zufall mitbekam, dass in Billerbeck (ein kleines Städtchen westlich von Münster) ein Rommé-Turnier, vornämlich für Senioren, aber ohne eine offizielle Altersbeschränkung, ausgetragen werden sollte, schlug sie vor, dort anzutreten.

Da Alexandras Opel Corsa sechs nicht ausreichte, bat sie mich, ihr beim Chauffieren zu helfen, dann aber ergab sich folgendes:

Zu Alexandras Kunden gehört auch der Besitzer eines Autohauses, der wiederum, nach einer Session bei ihr, zufällig Lisa, die Kyra besuchte, über den Weg lief und darauf hin wohl einmal nachhakte, ob Lisa denn auch Alexandras Gewerbe nachginge und ob es möglich sei, einmal eine Session mit ihr zu haben.

Kyra fädelte es nun irgendwie ein, dass er für eine Nummer mit Lisa, Kyra und ihren Rommé-Damen einen Minivan samt roter Nummernschilder zur Verfügung stellte. - Ja, man stelle sich vor: Meine Freundin prostituierte sich, damit meine Oma zu einem Rommé-Turnier fahren konnte. (Die moralische Entrüstung ist natürlich nur Spaß.)

Da ich eh als Chauffeur engagiert war, durfte ich trotzdem fahren, denn was dem Fußballfan sein Stadionbier, ist der Rommé-Seniorin ihr Eierlikör, dem auch Kyra an den Spieltagen reichlich zusprach.

Gewonnen haben die sechs das Turnier natürlich nicht, aber ich bin mir sicher, dass sie die Lustigsten waren. Als ich sie am Abend abholte, lud ich fünf ziemlich stramme Seniorinnen und eine nicht minder betankte Studentin ein. Zu meiner Überraschung beschwerten sie sich, dass der Eierlikör im Restaurant viel zu teuer gewesen sei. Ich hatte nicht den Eindruck, dass sie deshalb auf etwas verzichtet hatten, aber sie hatten nicht umhin können, ihrem Protest Ausdruck zu verleihen, in dem sie eine volle Flasche samt einem Satz Gläser mitgehen ließen und ich möchte ausdrücklich betonen, dass dies nicht Kyras Idee gewesen war.

Die Stadtgrenze von Münster hat der Inhalt übrigens nicht erreicht, denn immer, wenn jemand den alten Werbeslogan “Ei, ei, ei, Verporten” anstimmte, musste eine Runde ausgeschenkt werden.

Zu Weihnachten nahm Oma, nach ungefähr einem Jahrzehnt Abstinenz, die Weihnachtsplätzchenproduktion wieder auf und auch wenn ich an anderer Stelle behauptete, die Produktionsmenge spiele bei meiner Oma keine Rolle, so war das seit jenem Weihnachten in die andere Richtung zu verstehen. Sie musste zusammen mit Kyra Tonnen gebacken haben, denn wann immer Lisa und ich in dieser Adventszeit auf Kyra trafen, hatte sie immer ein Tütchen mit Keksen dabei und wenn noch jemand dazu kam, hatte sie auch immer noch ein mit rot-goldenem Kräuselband verknotetes Zelofantütchen Kekse dabei, das sie mit dem Hinweis, sie und Oma hätten es selbstgebacken, verschenkte.

Während des Weihnachtsplätzchenbackens spielte wohl ununterbrochen Omas Frank Sinatra-Weihnachtsplatte, auf der er, Bing Crosby und Dean Martin die schönsten amerikanischen Weihnachtslieder zum Besten gaben. Das legt den Schluss nahe, das Oma Kyra ihr Verständnis vom Swingen erklärte und - ja, ihr ahnt es schon - dass auch Kyra Oma die ihre vorstellte. Zumindest muss Sexualität irgendwann ein Thema zwischen ihnen gewesen sein, denn als im Februar des Folgejahres mal wieder eine dieser Erotikmessen in der Halle Münsterland Station machte, war es - das haben mir beide unabhängig von einander bestätigt - meine Oma, die Kyra fragte, ob sie sich wohl bereit erklären würde, einmal dort mit ihr hinzugehen, damit sie sich so etwas mal ansehen könne.

Ich hätte glühend rote Ohren bekommen, wenn meine Oma mich das gefragt hätte und verzweifelt nach einer Ausrede gesucht, es nicht tun zu müssen, aber der frei wandelnde Weltengeist Kyra kannte natürlich auch in diesem Punkt keinerlei Berührungsängste.

Ich kann mich nicht erinnern, dass die “Westfälischen Nachrichten” jemals mehr als einen Eintrag in den Veranstaltungstipps über eine dieser Erotikmessen verlor, doch am darauffolgenden Montag erschien ein ganzer Artikel in der Zeitung.

“Spaß von 18 bis 80” lautete die Überschrift. Der Artikel beschrieb kurz die Veranstaltung, die Anzahl der Aussteller, beschrieb einige der Bühnendarbietungen, bevor er darauf kam, dass die Veranstaltung offensichtlich nicht nur etwas für junge Leute war. Zum Entsetzen meiner Mutter gehörte zu dem Artikel auch ein Foto, das Kyra und Oma zeigte, die Arme um ihre Schultern gelegt, die von einer Truppe muskelbepackter, eingeölter Männerstripper in knappen Tangas umrahmt wurden. Darunter stand die Bildunterschrift: “Gertrud K. und ihre Enkelin Kyra mit den Tänzern der German Dreamboys genießen die Einblicke in die neuen Möglichkeiten der Sexualität”

Ganz so groß und freimütig wie es zwischen den Zeilen des Artikels klang, genoss meine Oma, die Veranstaltung dann aber doch nicht. Irgendwelche obszönen, hirnlosen Sprüche hat es wohl, zumindest in Gegenwart meiner Oma, nicht gegeben. Kyra meinte, sie hätte gerechnet, aber überall, wo die beiden auftauchten, begegnete man meiner Oma mit höflichem und durchaus auch anerkennendem Respekt.

Die Händler an den Ständen nahmen sich alle Zeit, Oma die Handhabung diverser Gerätschaften zu erklären. Die Informationen, die sie jedoch bekam, was nicht alles erfunden worden war, damit Mann etwas reinstecken und Frau sich etwas reinstecken konnte, was nicht alles vibrierte und sich bewegte, war ihr dann doch zu suspekt. Und die detailreiche Bebilderung menschlicher Kopulationsakrobatik ging ihr entschieden zu weit und wo “unser eins” sich heutzutage nicht alles Schmuck anbringen ließ, sprengte dann doch ihr Vorstellungsvermögen.

Mehr Spaß hatte sie jedoch am Stand mit Motiv-Kondomen und nicht nehmen ließ sie es sich, die German Dreamboys auch einmal in Aktion zu sehen. “Sehr stattliche Kerle”, erzählte sie mir und fügte hinzu, “von oben bis unten. Sehr stattlich.”

Ich musste grinsen.

Dennoch hielt sie fest, dass sie so eine Veranstaltung nicht noch einmal besuchen wollte. Grundsätzlich fühlte sie sich die meiste Zeit wohl doch peinlich berührt. Gegenüber Frau Rebschredder aus dem zweiten Stock gab sie aber in einem Treppenhausgespräch mit ihrer Zeitungspopularität und den Dingen, die sie ja nun über den Sex der Jugend von heute gelernt hatte, ordentlich an.

Naja, bin gespannt was Kyra und Oma als nächstes aushecken. Papa tippt auf einen Motoradtripp mit einer Harley auf der Rout 66, aber das ist wohl eher sein heimlicher Traum. Ich hab da eher etwas von einer gemeinsamen Kreuzfahrt läuten hören. Ich seh sie schon förmich vor mir, wie sie in der Bar eines Kreuzfahrtschiffes dem Steward, der ihnen gerade ihren Eierlikör brachte, in den Hintern kneifen.

 

So, doch nun genug davon und zurück zu dem Grund, warum diese Geschichte noch nicht zu Ende war und warum sich in gewisser Weise ein Kreis schloss, denn begonnen hatte ja alles bei einem Osteressen, bei dem Lisa meine Eltern kennen lernte und natürlich wollten auch ihre Eltern wissen, mit wem ihre Tochter denn nun zusammen lebt. Außerdem kannten sie die Wohnung nur von Fotos und wollten sich auch einmal ansehen, was wir aus ihrer Investition so gemacht hatten.

Um es kurz zeitlich einzuordnen: Es war das letzte Juni Wochenende. Das Semester lag im Endspurt. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich noch nicht mit meinen Eltern versöhnt. Ich wurde von Lisas Gnaden und so in gewisser Weise auch der ihrer Eltern, ausgehalten, denn mit irgendwelchen Jobs klappte es nicht so richtig und zum Ende des Semesters war halt auch reichlich zu tun.

Während mich zu Anfang also Lisas Betitelung als “Schwiegermuttertraum” aus der Reserve lockte, dieses Image doch schnellst möglichst los zu werden, war es vor diesem Besuch natürlich mein höchstes Anliegen, nun genau diesen Schwiegermuttertraum wieder darzustellen, denn ich hatte meine Familie verloren. Ich wollte auf keinen Fall, dass es zu irgendeiner Verstimmung zwischen mir oder Lisa und ihren Eltern kam. Zu frisch waren mir noch der megapeinliche Kaffeeklatsch bei Oma und vor allem der Streit mit meinen Eltern im Gedächtnis. Und das alles war durch meine neu entdeckten sexuellen Leidenschaften ausgelöst worden. Verständlich also, dass ich alles, aber auch wirklich alles, was auch nur im Entferntesten ein Indiz sein konnte, was Lisa und ich im Schlafzimmer so miteinander trieben, versteckte.

Die Bettfesseln hingen meisten offensichtbar an den Bettprosten. Wenn Freunde zu Besuch kamen, die nichts von unserer Neigung wussten, versteckten wir sie lediglich unter der Matratze. Diesmal aber, knotete ich sie von den Bettpfosten, raffte alles andere Spielzeug aus Nachttisch und Kleiderschrank zusammen und verfrachtete es in zwei Umzugskarton, für die ich dann wie ein aufgescheuchtes Huhn ein sicheres Versteck suchte.

Ihr könnt es gerne Paranoia nennen, so falsch ist das nicht, denn als Lisa meinte: “Ist die Wohnung im Dritten nicht noch frei? Vielleicht sollten wir fragen, ob wir sie übers Wochenende mieten können und dann bringen wir den Kram dahin.”, antwortete ich: “Meinst du, das geht?” Und erst als sie kopfschüttelnd die Augen verdrehte und einen verzweifelten Blick zum Himmel warf, checkte ich, wie dieser Vorschlag zu verstehen war.

Ein besonderes Problem war unsere Garderobe, denn auf Alexandras Vermittlung hin, hatten wir eine ähnliche bekommen wie ihre, die man als Standkäfig nutzen konnte.

Wir hatten uns - ohne einen Gedanken an Elternbesuche - für ein Modell entschieden, das vom Boden bis fast zur Decke reichte, während Alexandras Variante ja quasi nur für den Oberkörper reichte. In ihren Käfig musste man auch von unten hinein schlüpfen. Unseren konnte man durch zwei Scharniere an der linken Seite, zur Seite schwenken. Dazu kam je ein Haken in der Wand auf Halshöhe und einer in der Decke, an denen man den/die potentielle/n Insassen/in festketten konnte.

Wir hatten viel Spaß mit dem Teil, nutzten es häufig und gerne und wenn unwissender Besuch kam, langte es mir völlig, wenn ein paar leere Bügel und unsere in Gebrauch befindlichen Jacken daran hingen. Das war ja eigentlich der Normalzustand. Wir tarnten den Käfig nicht als Garderobe, wenn jemand kam, sondern wir räumten die Garderobe frei, wenn wir mit dem Käfig spielen wollten. Aber jetzt! Im Angesicht des Besuches ihrer Eltern schrie das Teil gerade zu: “Ich bin ein perverses Sexspielzeug!”

Ich hing alles an Jacken inklusive Jogginganzugjacke und Bademäntel daran auf, damit auch nicht ein Millimeter des schwarzen Gestänges zu sehen war. - Das sehe wiederum aus, wie ein auf links gekrempelter Kleiderschrank, meinte Lisa. Ich musste also wieder den Urzustand herstellen: Vier leere Bügel und unsere Sommerjacken, sowie Lisas großer Strohhut.

Bei jedem Gang durch den Flur brannte mir der Anblick wie heiße Glut auf der Haut; die beiden Haken, die Scharniere. Jeder musste sich fragen, wozu eine Garderobe so etwas brauchte. Nein, das brauchte man sich nicht fragen. Es war völlig klar, dass sie für SM-Spiele genutzt wurden.

Ich durfte diesen Besuch nicht auch noch durch meine Sexneigung vermasseln. Ich wollte wieder der nette, liebe, höfliche, von aller Welt (die in dieser Situation nur aus Lisas Eltern bestand) gern gemochte Junge sein.

Die Wohnung war natürlich auch ansonsten gewienert, geschrubbt und poliert. In jedem Zimmer hätte man bedenkenlos eine Operation am offenen Herzen durchführen können. Und dann war es soweit. Lisas Eltern hatten am morgen angerufen, dass sie in Augsburg losfuhren.

Ich hatte die ganze Nacht kein Auge zu bekommen. Meine Hände waren seit vierundzwanzig Stunden eiskalt aber ständig verschwitzt. Ich wischte sie mir alle paar Augenblicke an Hose oder T-Shirt ab, bis ich meinte, sie sähen widerlich aus und sie wechselte... also die Klamotten, nicht die Hände.

Fast punktgenau um 14:30 Uhr klingelte es. Lisa stand auf der Dachterrasse  und schaute herunter.

“Das sind sie”, rief sie mir zu. “Machst du auf, Linus?”

Ein Krächzen verließ meinen sorgenvoll zugeschnürten Hals. Ich räusperte ihn frei: “Klar.”

Auf dem Weg zur Tür prüfte ich noch einmal meine Frisur, - nicht wirklich. Der Spiegel hing nur auf der anderen Seite des Flures und ich suchte einfach ein Blickziel, dass mich der Käfiggarderobe ausweichen ließ, doch wie Spiegel so sind, spiegelte sie sich darin.

Kette mich fest! Peitsch mich! Fick mich! Niemand konnte übersehen, wozu das Ding benutzt wurde.

Ich öffnete die Wohnungstür, was ich immer tat, weil ich so hören konnte, ob die Besucher die Haustür mit dem Summer auf bekamen. Dann drückte ich mit zittrigen Fingern auf den Knopf des Summers. Der Schnapper der Haustür klackte. Schuhe mit harten Absätzen betraten das Treppenhaus. Vermutlich Lisas Mutter, dachte ich.

Die Schritte verhallten. Sie war offensichtlich stehen geblieben. Die Tür stand noch offen. Die Straßengeräusche klangen durch das hellhörige Treppenhaus bis zu uns hinauf. Sie wartete offenbar auf jemanden, oder etwas.

Wenn man Panik vor etwas hat, wird es in der Regel ja nicht so schlimm, doch in diesem Fall...

“Kommst du, Casper.”

Ich weiß nicht, ob ich die Stimme alleine wiedererkannt hätte, aber zusammen mit dem Namen. - Und ich hätte geschworen, als sie seinerzeit sagte: “Das ist mein Mann, der Casper”, meinte sie es so wie: “Das ist mein Mann, der Clown.”

Ich klammerte mich an den Strohhalm, dass ich es nicht falsch verstanden hatte oder dass ja auch noch andere Männer diesen Namen tragen könnten, er war seit Christi Geburt schließlich weltbekannt. - Aber die Stimme...

Mich traf der Schlag. Mein Gesicht wurde totenbleich. Ich öffnete den Mund wie ein Fisch auf dem Trockenen und genau wie diese bedauernswerte Kreatur bekam ich keinen Ton heraus und keine Luft hinein.

Das konnte doch alles nicht sein. Lisa hatte erzählt, dass wir uns auf der Swingerparty treffen sollten. So hatten Kyra, Alexandra und sie es geplant gehabt. Und wer ging schon mit seinen Eltern auf eine Swingerparty? Nein, das konnte einfach nicht sein. Oder wäre sie dann auch einmal einem dieser Zufälle aufgesessen, die ich magisch anzuziehen schien? Wäre es Zufall gewesen, wenn sie und ihre Eltern sich auf einer Swingerparty getroffen hätten? Ich erinnerte mich dunkel, dass Lisa mir irgendwann erzählt hatte, dass ihre Eltern zu Besuch kämen, vorher aber noch Freunde in der Nähe von Dortmund besuchen wollten. Holzwickede lag in der Nähe von Dortmund.

Was für nutzlose Gedanken waren das. Sie war nicht auf der Swingerparty gewesen. Sie hatte ihre Eltern nicht getroffen. Ich schon

Ich entschuldigte mich bei Gott, weil ich meinte, ihn in letzter Zeit ziemlich oft angerufen zu haben, und ich dankte ihm, dass er mich trotz allem mit Lisa zusammen gebracht hatte, ich versprach, dass ich ihn den Rest meines Lebens nie wieder um irgendetwas bitten würde, wenn er das, was nun auf mich zukam, nicht wahr werden lassen würde.

Lisa riss mich aus meinen Gedanken: “Linus? Was ist denn mit dir? Du bist ja käseweiß.”

Ich ahmte wieder besagten Fisch auf dem Trockenen nach.

Lisa lächelte kurz belustigt, dann streichelte sie mir beruhigend über den Kopf und sagte: “Es sind nur meine Eltern.”

Schritte kamen die Treppe hinauf. Dann sah ich den blonden Schopf. Ja, eine Tönung half, aber es war ihre richtige Haarfarbe. Sie drehte sich zum letzten Treppenabsatz, schaute zu uns hoch. Die Nase, der Zug um den Mund, die Gesichtsform und natürlich diese Augen, diese wahnsinnig blauen Augen. Wie, in drei Teufels Namen, hatte ich das übersehen können? Sie war nichts anderes als eine reifere Ausgabe von Lisa: Anna!

Mein Herz erstarrte, fiel in die Hose und zersprang in tausend Scherben. Was konnte ich tun? Gab es eine andere Lösung als die Flucht? Meine Beine kribbelten. Ich wippte mit dem Oberkörper hin und her wie ein Rodler, bevor er sich in die Bahn stürzte, ja, ich holte Schwung. Für die anderen sah es vermutlich mehr nach einem verhaltensgestörten Tanzbären aus - kein völlig falscher Eindruck.

Doch neben mir stand Lisa. Mein Weg mit ihr zusammen zu kommen, war nicht einfach gewesen. Sollte ich das alles wegen eines blöden Zufalls aufgeben? Es kostete mich alle Kraft der Welt, aber ich blieb brav in der Tür stehen und lächelte verkrampft.

Lisas Vater strahlte zu erst seine Tochter an. Dann folgte ein prüfender Blick zu mir. Er erkannte mich nicht. Naja, er war ja auch den ganzen Abend auf dem Boden herumgekrochen. Der Wiedererkennungseffekt wäre für ihn sicher größer gewesen, hätte ich ihn barfuß begrüßt.

Anna erkannte mich sofort, doch - meine Hochachtung - sie ließ sich nicht das Geringste anmerken; nicht das kleinste Zucken im Gesicht, kein Zögern im Gang, nichts, absolut nichts Verräterisches. Sie lächelte ganz so, wie eine Mutter, die sich freut, ihre Tochter und deren Freund zu besuchen: warm und herzlich.

Leider bot dieser Auftritt auch keine Andeutung, wie sie mit der Situation umgehen wollte. Würde sie mich mit den Worten “Ach, so ein Zufall, schön dich wiederzusehen” begrüßen, oder wollte sie völlige Unwissenheit vorspielen? “Sie müssen Linus sein?”

Nichts dergleichen. Sie kannte meinen Namen ja nicht nur von mir, sondern auch aus den Telefonaten mit ihrer Tochter, also verzichtete sie auf jede Floskel und sagte ganz simpel: “Hallo Linus”, und umarmte mich genauso herzlich wie wenige Sekunden zuvor ihre Tochter.

Gott, war die abgezockt, dachte ich.

Mit Lisas Vater schüttelte ich mir die Hände und er klopfte mir auf die Schulter, als seien wir seit Jahren dicke Kumpel.

Als die beiden in den Flur traten, rief Anna: “Na, hier sieht’s ja schon mal super aus.” Und ihr Blick musterte unsere Garderobe von oben bis unten.

“Geradeaus geht es ins Wohnzimmer”, sagte ich mit ausgestrecktem Arm und versuchte den Käfig hinter meinem Rücken zu verbergen.

Anna drehte sich zu mir.

“Nun mal mit der Ruhe, junger Mann. Erst einmal muss ich hier doch alles in Augenschein nehmen.”

Sie linste über meine Schulter. Schaute sie auf den Haken in der Wand? Ich schob meine Schulter in ihren Blick. Sie runzelte die Stirn und ging den Flur Richtung Wohnzimmer.

Ich atmete auf.

“Super stabil. Ist das Handgeschmiedet?”

Ich fuhr herum. Lisas Vater stand an der Garderobe und prüfte die Stäbe mit interessiertem Blick, griff zwei und rüttelte daran.

“Wir haben Kuchen da”, trällerte ich und kam mir vor wie meine Mutter, während ich auch ihn noch einmal mit der ausgestreckten Hand ins Wohnzimmer wies.

Er folgte.

Lisa kochte Kaffee und ich deckte den Tisch und stellte den gekauften Kuchen bereit. Als ich die Teelöffel neben die Becher legte bemerkte ich Annas prüfenden Blick. Meine Hände zitterten.

“Bist du nervös?”, fragte sie.

“Nein”, log ich.

“Also, die mündliche Prüfung, ob du der Richtige für Lisa bist, kommt erst heute Abend und den dazugehörigen Fragebogen brauchst du auch erst morgen ausfüllen.”

Ich schaute sie entsetzt an. Sie lachte, setzte dann aber gleich eine entschuldigende Miene auf und meinte: “Ich mach doch nur Spaß, Linus.”

Zur Beruhigung strich sie mit der Hand über meinen Rücken, tiefer und tiefer.

“Der Zucker”, schrie ich nervös und eilte davon, bevor ihre Hand meinen Hintern gänzlich umrunden konnte.

Ich stützte mich am Ende unserer Theke ab, weil ich Angst hatte zu taumeln und ganz die Besinnung zu verlieren. Scheiße, dass konnte sie doch nicht tun?

Ich schielte zu Lisa, ob sie etwas bemerkt hatte. Sie schaute mich in der Tat schräg an, aber das galt alleine meinem Verhalten. Den Grund, warum ihre Mutter es auslöste, ahnte sie wohl nicht. Sie glaubte, ich sei in dem Bemühen, einen guten Eindruck zu machen, einfach nur hypernervös.

Sie versuchte mir noch einmal mit Blicken zu verdeutlichen, dass es nichts gab, wovor ich Angst haben müsse und dass ich ruhiger werden sollte.

Wenn sie wüsste.

Das Kaffeekränzchen wurde zur Tortur.

“Linus, reichst du mir mal die Milch.” Und schon strichen Annas Finger verstohlen über meine, als sie sie entgegen nahm. Ich spürte unter dem Tisch einen Fuß an meinem. Erst dachte ich, es sei Lisa, die mich weiter beruhigen wollte, doch als diese aufstand um neuen Kaffee zu holen und der Fuß blieb, wurde ich eines besseren belehrt.

“Wo ist den bei euch die Toilette?”

“Den Flur zweite Tür rechts”, antwortete ich.

“Zeigst du es mir? Ich verlaufe mich ja selbst in einer Umkleidekabine.”

Was für ein Quatsch. Es gab in unserer Wohnung neben der Eingangstür nur drei weitere und auf eine hatte jemand sogar ein Schild mit der Aufschrift “Bad” geklebt. ich schaute zu Lisa und hoffte, sie würde ihrer Mutter erklären, wie albern dieser Begleitungswunsch war, doch sie schenkte ihrem Vater Kaffee nach und beachtete weder mich noch ihre Mutter.

“Bitte.” Sie blinzelte mir zu und erhob sich.

Ich hielt es einfach nicht mehr aus. Nein, aus der Wohnung flüchtete ich nicht, aber diese Spannung war einfach unerträglich. Ich hatte echt Angst, von ihr zerrissen zu werden.

“Ach, Scheiße”, rief ich also plötzlich und schlug mir mit dem Handballen gegen die Stirn. “Die Hausarbeit.”

Ich hatte die ungeteilte Aufmerksamkeit aller.

“Welche Hausarbeit?”, fragte Lisa.

“Ach, in dem Seminar von dem... Dings.” So auf die Schnelle wollte mir natürlich kein Dozentenname einfallen. Ich schnipste in die Luft. “... von, von Schering.”

“Ich dachte, du hast gesagt, der lässt nur Referate halten und nimmt keine Hausarbeiten”, meinte Lisa.

“Äh, doch”, widersprach ich, “also, erst nicht, aber wir haben ihn alle bekniet und jetzt macht er es und da ist Montag Abgabetermin. Und das wäre jetzt natürlich besonders peinlich, wenn ich nicht abgäbe.”

“Aber wieso morgen?”, wunderte Lisa sich. “Das Semester geht noch zwei Wochen.”

“Ja, ähm, aber... dann wollte er gleich mit seiner Familie in den Urlaub und hat keine Zeit mehr. Deshalb wollte er sie knapp vorher. - Verdammt. Das hab ich total verschlafen.” Ich wandte mich an Lisas Eltern.

“Das ist mir jetzt total peinlich, aber - ich dachte natürlich auch, ich hätte noch die zwei Wochen, wie Lisa meint. Das ist mir jetzt gerade wieder eingefallen. Also, ich bitte vielmals um Entschuldigung, aber das ist leider sehr wichtig.”

Lisas Vater nickte verständnisvoll. „

Natürlich. Vielleicht ist heute Abend ja Zeit, wenn wir essen gehen. Ein bisschen Pause muss ja auch sein.”

“Ja, ich versuch mein Bestes”, versprach ich.

Nun, ich rannte nicht aus der Wohnung, sondern ins Arbeitszimmer, dessen Tür ich zu drückte, als könne ich durch die Kraft des Zusammendrückens von Tür und Rahmen ein späteres Öffnen verhindern. Am liebsten hätte ich abgeschlossen, aber das hätte Lisa dann doch misstrauisch gemacht. Ich legte mir also einige Bücher zurecht, schaltete den Computer ein und ließ mich auf den Schreibtischstuhl fallen.

Das konnte doch alles nicht wahr sein. Ich hatte so gehofft, nun endlich am Ziel meiner Träume angekommen zu sein und jetzt das. Schlimm genug, dass Anna Lisas Mutter war, aber was für eine Frau war sie, wenn sie sich im Beisein ihres Mannes und ihrer Tochter einfach an den Freund der Tochter heranmachte? Das konnte sie doch nicht tun.

Mein Herz tobte wieder einmal rastlos in meiner Brust. Ich musste aufstehen und wie ein Tiger im Käfig auf und ab laufen. Wie sollte ich dieses Wochenende nur überstehen?

Schon die nächsten Stunden erschienen mir wie eine Ewigkeit. Ein Computerspiel oder ähnliches, traute ich mich nicht, zu starten. Wenn Lisa plötzlich hereinkommen würde und mich dabei erwischte, nein, das wollte ich nicht riskieren. Wirklich konzentrieren konnte ich mich natürlich auch nicht. Was sollte ich machen? Lisa alles erklären? Ich meine, das Zusammentreffen zwischen ihrer Mutter und mir war nun wirklich keine böse Absicht von mir. Lisa wollte auch auf diese Swingerparty kommen. Sie nahm mir den Besuch dort nicht übel. Und dass sich ausgerechnet ihre Eltern dort hin verirren würden, konnte niemand ahnen.

Ich schwor mir, aus der Sache kein neues Geheimnis zwischen Lisa und mir zu machen. So bald ihre Eltern weg waren, wollte ich es ihr erzählen, aber bis es erst einmal so weit war. Wäre auch alles nicht so schlimm, wenn ihre Mutter nicht so eine Männer verschlingende Gorgonin wäre.

Ich darbte in meinem selbst gewählten Gefängnis also dahin. Das blöde Gefühl wurde noch dadurch verstärkt, dass ich man unwillkürlich begann, nach den Geschehnissen draußen zu lauschen. Da die drei aber teilweise auf der Dachterrasse waren, bekam ich natürlich nicht alles mit, was gesprochen wurde, doch immer, wenn sie herzhaft lachten, erfasste mich das Gefühl, sie machten sich gerade über mich lustig.

Die Stunden verstrichen, der Abend kam. Kurz vor acht klopfte es an der Tür und Lisa trat ein.

“Na, wie läuft’s?”

Ich saß auf dem Schreibtischstuhl vor dem weißen Blatt eines neuen Worddokuments.

Sie legte die Arme von hinten um meine Schultern und streichelte ihre Wange an meiner.

“Ich sehe schon. Noch nicht so gut.”

“Das ist es nicht”, gestand ich. Ich streichelte ihren Unterarm. “Weißt du, ich muss dich nachher mal sprechen. - Allein. Es ist da was Blödes passiert.”

“Schon okay”, sagte Lisa. Ich dachte natürlich, sie meinte, die angeblich verpennte Hausarbeit und dass ich deshalb nicht bei ihr und ihren Eltern sein konnte, denn sie fuhr fort: “Wir gehen jetzt zum Italiener. Kommst du mit.”

Ich schüttelte den Kopf.

“Okay. Wie du willst. Na dann…”

Sie entließ mich und verließ das Zimmer, durch deren offener Tür ich die Stimme von Lisas Vater hörte: “Und du willst wirklich nicht mit.”

Er klang entfernt und schien auch in eine andere Richtung zu sprechen. Einfach gesagt: Er sprach nicht mit mir.

“Nein, nein, geht ihr nur.”

Ich sprang auf, wie von der Tarantel gestochen. Das passierte jetzt nicht wirklich. Ich stürmte auf den Flur. Lisa ging mit ihrem Vater Arm in Arm an mir vorbei zur Tür. Er grinste mich unverhohlen breit an, als hätte er nie an meine Hausarbeitsausrede geglaubt und auch Lisa kämpfte mit aller Mühe gegen ein schadenfrohes Lachen.

Dann hörte ich den Schritt von Stöckelschuhen und im Türrahmen unseres Schlafzimmers erschien Anna. Sie trug wieder ihre Leopardenunterwäsche, sonst nichts und hatte unsere Gerte in der Hand.

Ich schnappte nach Luft. Was geschah hier? Mein Blick sprang zwischen allen Umstehenden hin und her. Anna schaute mit Schlafzimmerblick zurück.

Lisa verließ mit Ihrem Vater die Wohnung. Mit der Türklinke in der Hand drehte sie sich noch einmal zu mir  und nun verlor sie ihre Selbstbeherrschung, prustete los und sagte zwischen den Lachern: “Bei dir ist es wirklich hoffnungslos, Linus. Du bist und bleibst der Schwiegermuttertraum.

Lust auf mehr:

Engelhaft

Tausend Regenwürmer (3-teilig)

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Inhalt/Idee

Average: 5 (1 vote)

Erotik/BDSM

Average: 5 (1 vote)

Rechtschreibung/Form

Average: 4 (1 vote)

Kommentar(e)

So, ich wollte es nicht direkt unter die Geschichte schreiben, deshalb schreibe ich heute mal den ersten Kommentar zu meiner Geschichte:
Liebe Leserinnen und Leser der BDSM-Geschichten.net, ich bedanke mich, dass ihr mir über 21 Monate (hab ich hoffentlich richtig gerechnet) treu gefolgt seid, die hin und wieder etwas längeren Wartezeiten in Kauf genommen habt und euch auch die doch häufiger als gedacht auftretenden Shraipfääler  nicht abschreckt haben. Ich bedanke mich für die Kommentare und PN-Nachrichten, die ich bekommen habe (wobei ihr hier natürlich fröhlich weiter kommentieren dürft) und hoffe, ich konnte euch mit dieser Geschichte ein paar fröhliche und vielleicht auch erotische Augenblicke schenken.
Ob es eine Überarbeitung dieser Geschichte geben wird (die sie sicher in vielerlei Hinsich gut gebrauchen könnte) weiß ich noch nicht. Aber wenn vergehen bis zum Beginn dieser Arbeit mindestens 6 Monate.
Nochmals danke und so verbleibe ich mit einer ins Schriftstellerische entliehenen Fußballweisheit: Nach der Geschichte ist vor der Geschichte
Euer Florian

Antwort auf von FlorianAnders

...Willen! Diese Drohung im letzten Satz will ich jetzt aber nicht gehört haben .
Noch einmal halte ich das nicht durch. Diese Achterbahnfahrt der Gefühle, diese Verzweiflung, diese Spannung, dieser schmerzende Bauch, dieses Fremdschämen, diese aufreibenden Diskussionen mit dem Autor um die Authentizität seiner Figuren. Nein, das halte ich nicht mehr aus.
Aber natürlich werde ich allfällige weiteren Geschichten von dir trotzdem verschlingen müssen.
Der Epilog war, nun, epilogisch. Oder epilozistisch. Naja, etwas Aufzählerisch. Klar, ich bin froh, dass all diese Dinge erklärt werden, und dass Kyra sich mit Oma versteht, aber es ist eben mehr eine Aufzählung. Erst am Schluss kommt wieder die Lust an der Verwicklung, diese Spritzigkeit, diese Ungeschicklichkeit des Protagonisten, dieses Schicksalhafte, das ihm dauernd widerfährt, das ich so an dieser Geschichte liebe.
Sterne? Naja, 6 für diese Folge und fürs Gesamtwerk. Danke sehr.

Danke für die Geschichte! 
Mit wirklicher Spannung habe ich jeden Teil  Geschichte fast schon verschlungen. 
Natürlich würde es mich freuen wenn Du Dich nochmal daran wagen und uns Lesern damit eine Freude bereiten würdest!

Antwort auf von Daniel-devot

mich dem Kommentar meines Vorredners nur anschließen. Eine der besten Geschichten, die ich hier bisher gelesen habe. 6 Sterne. Mehr geht leider nicht.
 
Und der Autor hat, bei mir einen Stein im Brett ...
 
Vielen, vielen herzlichen Dank

Antwort auf von Antisophist

wieder einmal mindestens volle Punktzahl.
 
Und boah, jetzt wird der arme Kerl auch noch an Lisas Mutter ausgeliehen, der muß ja wirklich die ganze Breitseite mitkriegen.
Und Linus´ Cousine hast Du ja gekonnt wieder den "Guten" zugeordnet. 
Ich freue mich schon auf weitere Geschichten von Dir.

... ich hab bauchschmerzen vor lachen xDD
Ein krönender Abschluss für deine richtig gute Geschichte ich hab sie verschlungen und man musste einfach mit dem armen Tropf Linus Mitleid haben der ja wirklich von einem peinlichen Vorfall in den nexten gerauscht ist.
Ich meine wie Naiv kann man sein und wieviel Peinlichkeit kann ein Mensch ertragen ... ^^
 
Bleib deinem Stil treu du schreibst klasse !
mfg krauti

Danke für die Geschichte. War immer wieder sehr amüsant zum lesen.

Ich fand es toll zu Lesen. Besonders Genail ist dein Schreib Stil, diese wunderbare Art und weise dieses mit den Gefühlen Spielen und diese Konflikte mit sich selber. Dazu kommt noch dieser absolut Komplizierte weg denn Lisa gegangn ist um Ihren Schweigermuttertraum zu bekommen und Ihm dann zum schiegermutter Alptraum werden zu lassen. An manchen Stellen habe ich Gelacht, an anderen habe ich Gestaunt. Schreib weiter mir hat es gefallen.
 
Gruß PetSlaveRico

Hatte ich es ja,dass der Tag kommen wird, an dem diese tolle Geschichte endet. Sie war spannend, mitreißend und für mich eine Freude sie zu lesen.
Danke für die Mühe des Textens, diesen tollen, kreativen Gedanken.

...für diese Geschichte!
Selten habe ich so gelacht und gelitten wie bei den Eskapaden Deines Schwiegermuttertraums. Selbst in den letzten Zeilen hast Du noch ein schadenfrohes Schmunzeln auf meine Lippen gezaubert. Ein wahrer Fettnäpfchendetektor, der gute Linus :D
Beste Grüße
Alaxsxag

Überrollt, überfahren, gebügelt und glatt gefaltet… armer Linus, was der alles innerhalb gefühlter fünf Minuten in deiner Welt erlebt. Und immer noch ein von den Frauen manipulierter Dussel ohne Durchblick. Aber gut so, sonst gäbe es keine so lustige Unterhaltung.
Ich habe zwar keine Ahnung wie es richtig wäre, aber ich finde den Epilog zu lang. Vom Inhalt her hätte es gut noch für zwei bis drei Kapitel gereicht. Und man merkt, dass du die losen Enden ab arbeitest. Erst zum Schluss wird wieder eine niedliche Geschichte draus mit dem Besuch der Schwiegereltern.

Eine Geschichte, die die Begegnung mit der Welt des SM nicht nur zum Gegenstand hat, sondern auch wirklich erzählt. Wie schon in „Thao“ von Sena und „Die perfekte Tänzerin“ von Kleiner Prinz wird hier berichtet, wie ein junger Mensch an der Erwachsenenschwelle in innere und äußere Konflikte gerät. Das Problem solcher Stories liegt in der Natur der Sache. Indem man allenthalben und allerorten auf SM stößt, ja ganz einfach zwangsläufig stoßen muss, verliert sie an realitätsnaher Glaubwürdigkeit. Aber es ist Literatur. Und zwar welche vom feinsten, eine Art Debreczener Salami, gespickt mit Cabanossi. Scharf und an der Grenze der Ungenießbarkeit.
 
Dass sie es nicht wird, liegt an der überaus bildhaften Sprache, die das menschliche Gehirn an den Rand der Überforderung bringt. Ein geistiges Hologramm jagt das nächste (bestes Beispiel S.452 Ende), ohne das das vorherige genügend Zeit hat, sich festzubrennen oder gar in sich zusammenzufallen. Der Autor ist ein Virtuose des Handwerks, das sich jedoch oft an gängigen Formulierungsklischees orientiert. Es dient dem Zweck, den Leser mitzunehmen, vor Augen zu führen, ins Bild zu setzen, schmälert in seinem Ausmaß jedoch ein wenig den Genuss. Manches Lachen erstirbt im Schmunzeln weil es so unter die Walze des Wortes gerät.
 
„Thao“ lebt trotz aller handwerklichen Mängel vom exzellenten Dialog. „Der Schwiegermüttertraum“ könnte mehr davon vertragen, bei gleichzeitiger Differenzierung und Optimierung der märchenhaften Schilderungen. Vielleicht sogar deren Reduzierung. Der Autor meint es gut und macht es perfekt, jedoch ist es nicht immer von Vorteil. Es ermüdet den hungrigen Leser und wirkt manchmal wie die verbale Umsetzung des berüchtigten Tischspruches „das kleine Bisschen passt jetzt auch noch hinein“, wenn nur noch zwei Bohnen oder eine halbe Kartoffel den großen Teller verloren zieren, der Bauch jedoch schon kurz vor dem Platzen gespannt ist.
 
Eine Prise mehr Balance könnte es letztlich ausmachen, das Werk von einem guten, ja sehr guten Buch zum Bestseller zu entwickeln. Ein herausragendes Storyboard, interessant gezeichnete Figuren, die meines Erachtens nur ein einziges Mal ihre Augenfarbe von grün auf saphirblau wechseln, und eine fantastische Umsetzung mit i-Pünktchen vom Rubbellos. Also leicht zerkratzt. Die Pointe der Geschichte wird durch einen in dieser Form nicht zwingend erforderlichen Epilog selbst noch pointiert, was ich nicht als Gewinn betrachte. Es macht die Sache rund, wo der Abnehmende keine Kanten mehr vorfindet. Auch hier bietet sich der Vergleich zu „Thao“ an. Nicht jeder aufgezeigte Handlungsstrang muss gänzlich aufgelöst und nicht jede beteiligte Figur muss einen finalen Schuss erhalten.
 
Ich wähle diesen Begriff mit Bedacht. Man tötet damit wirklich. Nämlich die Fantasie des Lesers. Man nimmt ihm das Recht, sich seine eigenen Gedanken zu machen. Es minimiert den Spielraum und schafft Grenzen, wo keine nötig wären. Doch das ist meine ganz persönliche Sicht der Dinge, weil ich auch immer im Hinterkopf habe, solche Geschichten als Basis für neue herzurichten. Eine Erzählung über das Schicksal von Amelie als eigenständiges Produkt ist damit fast schon der Garaus gemacht, obwohl sie zum besten zu geben lohnenswert gewesen wäre.
 
Deine Stärken sind beschrieben: bildhafte Erzählweise, die einen fast immer sofort mitten in die Situation transportiert, nachvollziehbare Charaktere, fesselnde Abläufe und Herzblut, dass allenthalben zu spüren ist. Man kann nicht einfach fliehen, man muss weiterlesen, auch wenn nicht wirklich Überraschendes passiert. Die Geschichte folgt deiner bekannten Logik, dass sich die Entwicklung aus den Personen selbst nachvollziehbar ergeben sollte. Das ist sicher nicht ganz falsch, aber eben auch nicht ganz richtig. Der stärkste Part ist die Episode rund um Omas 80.Geburtstag. Hier ist das Lächeln und Schmunzeln ein herzergreifendes Lachen und Glucksen, das uns die Tränen in die Augen treibt. Ich halte diesen Part für den mit Abstand besten an deinem wertvollen Stück. Hier kann man sich nicht entziehen, selbst der Coolste wird erweicht. Hätte mir mehr davon gewünscht, ohne dass ich das Andere als schlecht empfinde. Trotzdem reicht es nicht an das vorzufindende Level heran.
 
Ich würde den Stoff jedem empfehlen, der mich danach fragt. Das ist für mich sonnenklar. Kleinere Schwächen, wie ganz seltene Zeitformenholperer, die aufgrund des Umfangs des Werks wahrscheinlich mehr als verzeihlich sind, oder Wortdoppelungen und -vermehrfachungen, wie in: „Ich atmete auf, als ich das Haus betrat, in dem mich der erwartete Kaffeeduft erwartete ...“, sind Nebensache. Störender sind für mich, weil auch eine große Liebe von dir, Worte wie gerne, selber, alleine usw., die in der deutschen Sprache selbst gern als allein daherkommen. Auch das und dass sind nicht unbedingt deine Freunde, was sich vor allem auf den mir vorliegenden Textentwurf bezieht. Inwieweit es im Megsschen Originaltext noch anzutreffen ist, weiß ich nicht.
 
Die Erklärung von Örtlichkeiten in Klammern schien mir überflüssig und manchmal sogar als störend, denn es steht doch heutzutage jedem frei, sich mit einem schnellen Seitenklick ins Bild zu setzen. Speziell die Füllwörter haben es dir angetan. Leider auch fast durchgängig in fragwürdiger Schreibweise. Es heißt: indem, durchaus, nachdem, diesbezüglich, zunächst usw. Es wird also zusammengeschrieben. Eine ähnliche Problematik, die vor allem mit der neuen Rechtschreibung so manchen in die Verzweiflung stürzt, stellen zusammengeschriebene Verben dar, die in getrennter Schreibweise oft einen anderen Sinn ergeben, als den von dir beabsichtigten. Das lustigste Beispiel hierfür war zusammenkommen und zusammen kommen. Man kann das alles überlesen, ich erwähne es nur, um dir bei weiteren Versuchen deine Augen auf diese Dinge zu lenken.
 
Höchst zufrieden bin ich mit dem wirklich nicht anders als genial zu bezeichnenden Zusammenspiel von Sub zu Dom und umgekehrt. Das ist höchster Erotikgenuss. Viele Beschreibungen jedoch sehe ich in ihrer Ausführlichkeit eher einer Kurzgeschichte angemessen, einen Roman scheinen sie mir zu überfrachten. Wenngleich er als Schiff sicher im Hafen ankommt und nicht vor Lampedusa sinkt. Der Rest sind wirklich Kleinigkeiten: eine Ohrfeige zu knallen (besser: erteilen), Ärger über (wenn es um leblose Dinge geht, besser: auf) oder das omnipräsente gerade zu (geradezu). Leider helfen da Rechtschreibprüfungen wenig. Auch wenn du Formulierungen wie „trocken wie ein Backofen“ verwendest, nützen sie wenig. Frag mal einen Bäcker, wie er das sieht. Die allgegenwärtige Feuchtigkeit muss sogar in extra Wrasenabzügen aus dem Backofen abgeführt werden, damit es nicht zu feucht wird. Du kennst doch sicher den Trick mit der Wasserschale im Herd beim Brotbacken? Auch zischt bei dir das heiße Metall, wenn es ins kühlende Nass getaucht wird. Es ist aber das Wasser in Form von Dampf, was für die Geräusche verantwortlich ist.
Zum Schluss noch einen kleinen Lacher für den, der ihn über sich selbst tätigen kann. Kaninchen zaubert man für gewöhnlich aus dem Hut. Bei deinen Kanninchen kommen sie offenbar aus der Kanne. Schmunzel und grins.
 
Nein, ein wirklich feines Werk, das man in jedem Fall gelesen haben sollte. Danke für viel Genuss und die Freude, es nicht nur unter dem Gesichtspunkt der Kritik 2x gelesen gehabt zu dürfen. War das jetzt korrekt?